Iseler mit Edelrid-Klettersteig: um 5:36 los, ohne Gondel
Fünf Uhr. Der Campingplatz schläft noch, nur die Kuhglocken sind schon wach.
Während sich viele noch einmal im Schlafsack umdrehen, schnüren Thomas und ich die Wanderschuhe. Um 5:36 Uhr laufen wir los. Unser Ziel: der Iseler – zu Fuß, nicht mit der Gondel.

Die Tour in Zahlen
- Strecke: 11,10 km
- Höhenmeter: 978 m
- Zeit: 3 h 16 min
- Start: 05:36 Uhr ab Campingplatz, Bad Hindelang / Oberjoch
- Gipfel: Iseler, 1876 m
- Datum: 20. Juni 2026

Aufgezeichnet von Thomas auf der Suunto 9 Peak Pro.
Bergauf, Schritt für Schritt
Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht größer und werden die Gedanken ruhiger. Der Weg zieht sich vom Tal durch Wälder und über Almwiesen nach oben – in der Frühe gehört er einem fast allein.


Der Edelrid-Klettersteig
Am Einstieg warten dann Fels, Tiefblicke und genau die Portion Abenteuer, für die wir früh aufgestanden sind. Der Steig hieß bis 2021 Salewa-Klettersteig und führt in drei Abschnitten zum Gipfel.
- Schwierigkeit: überwiegend B/C. An den Schlüsselstellen Bergführerplatte und Schusterplatte geht es für wenige Züge bis D.
- Ausrüstung: komplettes Klettersteigset, Helm, Gurt. Ohne geht gar nichts.
- Nicht geeignet für Kinder unter zwölf und für den ersten Klettersteig überhaupt.
So verläuft die Route
Grün sind die drei Abschnitte des Klettersteigs – vom Einstieg über den Iseler und weiter über den Grat zum Kühgundkopf, also genau die Überschreitung, die Thomas komplett durchgezogen hat.
GPX-Datei herunterladen – zum Import in Komoot, Garmin, Suunto oder OsmAnd. Mit Wegpunkten für Iseler (1876 m), Kühgundkopf (1907 m) und Kühgundspitz (1856 m).
Wichtig: Karte und GPX geben den Verlauf der Route nach öffentlichen Kartendaten wieder (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL). Es ist nicht die Aufzeichnung unserer Tour – die Zahlen oben stammen von Thomas' Uhr, die Linie aus der Karte. Zur Orientierung gedacht, nicht als Ersatz für Karte, Wetterbericht und eigene Einschätzung am Berg.
Am Gipfelkreuz trennen sich die Wege
Nach einigen Stunden stehen wir oben. Eigentlich wollten wir die Gratüberschreitung noch dranhängen, aber die Hitze fordert ihren Tribut. Ich entscheide mich für den Rückweg. Thomas zieht Aufstieg, Klettersteig und die komplette Überschreitung durch – mit Bravour. Starke Leistung.
Am Ende bleiben ohnehin nicht die Höhenmeter am meisten in Erinnerung, sondern die Begegnungen unterwegs, die Gespräche und die gemeinsame Zeit.
Unser Tipp: noch früher los – aber nicht über den Steig
Ehrlich gesagt waren 5:36 Uhr schon zu spät. Wer eine Stunde eher aufsteht, steht oben im Sternenhimmel und sieht die Sonne aufgehen – das ist der eigentliche Grund, warum man sich diesen Berg zu Fuß verdient. Uns sind unterwegs Leute entgegengekommen, die schon um zwei Uhr nachts losgelaufen sind. Die hatten die Sterne, den Sonnenaufgang am Gipfel und den Abstieg im Morgenlicht – und den Berg fast für sich.
Aber: im Dunkeln nicht den Klettersteig nehmen. Daneben führt ein normaler Wanderweg auf den Gipfel, und der ist nachts der richtige. Stirnlampe oder Taschenlampe gehört auf jeden Fall in den Rucksack – für jeden in der Gruppe, nicht nur einmal für alle.
Abkühlen: Bergsee und Moorbad
Zur Abkühlung ging es im Schlüppi in den Bergsee und später ins Moorbad Oberjoch. Den Abend ließen wir mit ein paar Bier unter dem Tarp ausklingen, während die Sonne hinter den Bergen verschwand und die Kuhglocken wieder durch die Abendluft klangen.
Übernachtet: Campingplatz Bergheimat, Oberjoch
Geschlafen haben wir auf der Bergheimat in Oberjoch. Super nett, freundlich und zuvorkommend – eine klare Empfehlung, wenn ihr in der Gegend seid.
Ein Tipp, wenn ihr im Zelt schlaft: Der Untergrund ist Kies, und da sind ordentlich spitze Steine dabei. Nehmt eine Lage Pappe mit und legt sie unter das Zelt – das schont den Boden des Zelts und die Isomatte, und man schläft deutlich besser darauf.
Kein Luxus. Keine große Show.
Nur Berge, Natur, gute Menschen und dieses Gefühl, genau dort zu sein, wo man gerade sein sollte. Für uns ist genau das Abenteuer. ⛰️🍻
Fotos: Thomas.